Da ich gerade an meinem neuen Arbeitsplatz sitze und (natürlich) zum Sonntag Morgen nicht allzu viele Dinge passieren, kann ich einen weiteren Blog-Eintrag verfassen. Zwei Mal die Woche habe ich Schicht an der Rezeption im Hostel, welches mein erster Anlaufpunkt in Paraguay war. Mit ein-euro-fünfundsiebzig pro Stunde werde ich zwar nicht reich, aber das ist mir sowieso egal. Mein Aufgabenbereich beinhaltet alles, was die Organisation etc. betrifft (habe ja lange genug dort gehaust, um alles auf dem eff-eff zu kennen) und da ich mich in der Stadt ganz gut auskenne, kann ich auch auf die meisten Fragen antworten, die die (Durch)Reisenden interessieren ...
Während Lu in seinem Internet-Haus eher schweigsam war, hat sich der real existierende Lu ;) vielfach an diversen Artikeln zu schaffen gemacht. Auch sonst ist der Monat sehr ereignisreich gewesen! Die Steuer ist bearbeitet, Dokumente wechseln die Kontinente und ein Paket erreichte mich. Auch ein kleiner Backofen ist nun in meinem Besitz. Während das Gerät recht modern aussieht, hat der Backofen eine eher unerwünschte Gratis-Heizfunktion implementiert, indem die Außenwände beeindruckend heiß werden. Pokertechnisch startete der Monat gut und baute mit zunehmender Tagesanzahl ab. Idealistische Pläne zur Finanzierung meines Lebensunterhalts müssen sich noch gedulden - ebenso wie der Prozess der Migration, aber dennoch haben sich zwei für Lu neue Betätigungsfelder ergeben, die bis dahin Bares in die Hosentaschen bringen könn(t)en. Neben einer weiteren Mitarbeit bei der Dekoration einer Feier arbeite ich ab Juni für anderthalb Tage (beziehungsweise Nächte) die Woche im Hostel an der Rezeption. Zwischendurch ein Jahr älter geworden, habe ich mittlerweile wohl mehr Haare als Geld. Über den Kilopreis muss ich mich noch informieren ... :)
"Um diese Zeit begann man, ihn als Bonvivant zu bezeichnen. In der Tat lebte er gern gut. Zum Befremden der Schwiegermutter aber lebte er von den Einkünften aus dem Gut seiner Frau. Klawdia Iwanowna versucht einmal, ihm ihre Ansichten vom Leben und von den Pflichten eines vorbildlichen Ehemannes nahezubringen, doch der Schwiegersohn erbebte plötzlich, warf die Zuckerdose zu Boden und schrie: 'Sagenhaft! Ich soll lernen, wie man lebt! Das ist einfach sagenhaft!'"Zwölf Stühle
Die vergangene Woche war ich die ersten drei Tage bei sehr launischem und zum Teil kalten Wetter in den verschiedenen Ämtern unterwegs, um die abschließenden Tests zu machen, Belege zusammenzutragen und Unterschriften zu "sammeln". Auch einen Übersetzer für meine Dokumente konnte ich ausfindig machen, sodass ich nun über den Großteil der zunächst geforderten Unterlagen und den Gesundheitspass für die Immigration verfüge ... Ansonsten habe ich mich weitestgehend im apartemento aufgehalten, einiges an Schreibkram beendet, viel Spanisch gelernt und knapp die Hälfte der Verluste aus dem Monat März zurückerkämpft (dennoch bleibt die finanzielle Lage sehr angespannt). Den "Höhepunkt" der Woche hatte ich beim Zahnarzt, vor dem ich mich ein paar Monate gedrückt habe. Dieser arbeitet solo, sodass man als Patient die Aufgaben der (normalerweise anwesenden) Assistenten übernimmt ... Spritzen gibt es auch keine, aber die Ärztin verfügte über eine ruhige Hand, sodass alles erträglich war und diese Woche seine finale Fortsetzung findet.
Down. Down. Down. Gewinner pflastern die Titelblätter auf Boulevard-Magazinen, ich bin schon froh, wenn mich in Zukunft das Pflaster vom Bürgersteig nicht abwirft. Wenn schon verkacken, dann richtig! Es gibt wohl zwei Arten von (professionellen) Spielern: Die, die sich (emotional?) unter Kontrolle haben und Meisterschaften gewinnen und jene denen derartiges nie gelingt. Nach dem Verlauf dieses Monats (und nicht nur nach dem) glaube ich zu wissen, zu welcher Sorte mein Dasein bestimmt ist. Waren die letzten Monate kartentechnisch ein Teil meines Überlebensbudgets, ist nach dem März meine Bankroll nur noch für Mikrospiele geeignet. Ein einziges Desaster! Sicherlich, am Ende ist es nur Geld, doch ist dies mehr denn je der Rotationskörper dieses Planeten. Lu wollte back to nature, als er nach S.A. zog und er ist selbst vom Weg abgekommen. Erhobene Zeigefinger und Besserwisserei sind Fehl am Platze! Nun gilt es sich den den Mund abzuwischen, aus dem Fenster sehen, auf die eigene Krisenfähgikeit zu vertrauen und die Zuversicht nicht zu verlieren - schließlich habe ich noch meinen Dispo, womit ich die kurze Distanz überbrücken kann ...
Heute konnte ich wohlbehalten mein paquete in Empfang nehmen. Nach der Zollkontrolle ist der Inhalt zwar mehr oder weniger wieder reingestopft wurden, aber es scheint nichts (wesentliches) zu fehlen. Prima! Apropo Zoll: Eigentlich war der Inhalt mit ca. 100$(Einfuhrzoll) zu berappen, aber schöne Augen und rollenvertauschte Geschlechterszenerie veranlassten den Beamten mit der Begründung "weil es das erste Paket ist" auf den Zoll zu verzichten - que bueno!
das Wochenende, das mit einer Nachtschicht im Casino begann. Zunächst hatte ich keine Position (und keine Karten) auf die Fische, insbesondere den Franzosen, der mit einem 6-Hoch-Flush 'ne Million verblufft. Später waren nur noch regulars an den Tischen, was das Spielen als sehr schwerig gestaltete. Erst in der letzten Stunde (als der Tisch 4-handed war) konnte ich einen Gewinn von 400.000 einstreichen, was den Monat im Live-Game break-even hält. An Samstag kann ich mich erst ab der Abendveranstaltung im ehrwürdigen Teatro Municipal (erbaut 1890) erinnern, wo Rolando Chaparro zum Konzert lockte. Er verwandelte die Hallen der Klassik mit seiner "Disco Bohemio" zur Rockoase mit mehr oder weniger effektvoller Lightshow und dem Indio mit dem strengem Blick ...
Eigentlich wollte ich danach noch irgendwas sinnvolles machen, aber daraus wurde nix, da ich mich zum Carnival Pirata überreden ließ, was ich mir im Nachhinein schenken konnte, da ich mich mit derartigem Saufgelagen doch noch bedingt anfreunden kann ... Die zwei folgenden Tage verbrachte ich dann unspektakulär, bevor ich am Dienstag bei brütender Hitze (41 Grad) mal wieder auf Wohnungssuche ging, was aber ohne konkrete Ergebnisse blieb. Bliebt noch die Frage nach dem Indio mit dem strengen Blick, zu dem ich nichts weiter zu berichten habe, außer, dass ich glaube, das er mich verfolgt ... ;)